Schiaparelli x V&A

Elsa Schiaparelli, 1932
  • 1890 Elsa Luisa Maria Schiaparelli wird am 10. September in Rom geboren.

  • 1913 – Schiaparelli zieht nach London, wo sie den Theosophen Wilhelm Wendt de Kerlor kennenlernt und heiratet.

  • 1916 – Das Paar zieht gemeinsam nach New York. Vier Jahre später wird die Tochter Maria Luisa Yvonne Radha geboren.

  • 1922 – Nach der Trennung zieht Elsa Schiaparelli mit ihrer Tochter nach Paris.

  • 1924 – Der französische Dichter und Schriftsteller André Breton veröffentlicht sein Werk „Das Manifest des Surrealismus“, was Schiaparelli maßgeblich beeinflusst.

  • 1925 bis 1926 – Aufgrund des Drängens von Paul Poiret wird sie Designerin des Hauses Lambal; ein kleines Pariser Label.

  • 1927 – Elsa Schiaparelli gründet ihr eigenes Modelabel in Paris in Zusammenarbeit mit Charles Kahn, dem Co-Direktor der Galeries Lafayette. Das erste Geschäft öffnet an der 4 Rue de la Paix.

    Sie entdeckt einen schwarz-weißen Pullover, der die Illusion einer Schleife, eines gepiercten Herzens, eines Skeletts oder eines Matrosen-Tattoos erzeugt. Sie stellt die Armenierin ein, die die Pullover gestrickt hat, um mehrere Prototypen anfertigen zu lassen. Der optische Täuschungseffekt von Elsas Pullover zieht Bewunderer an und erlangt sofort internationale Popularität.

    © Elsa Schiaparelli
    1927
  • 1929 – „S“ erscheint als erstes Parfüm des Hauses; ein Unisex-Duft.

  • 1933 – Sie eröffnet ein Geschäft ihres Couture-Business in der 6 Upper Grosvenor Street in Mayfair, London. 1939 schließt es aufgrund des Zweiten Weltkrieges.

  • 1934 – Schiaparelli erscheint auf der Titelseite des Time-Magazins und ist damit die erste Designerin, der diese Ehre zuteilwird.

Elsa Schiaparelli auf dem TIME Magazin, 1934
  • 1935 – Die Maison Schiaparelli zieht in das Hôtel de Fontpertuis, 21 Place Vendôme. Die Räumlichkeiten umfassen fünf Stockwerke, 98 Zimmer und eine Boutique im Erdgeschoss sowie einen Schönheitssalon im ersten Stock.

    Dort verkauft sie neue Linien von innovativer Kosmetik, die inszeniert wird von der jungen amerikanischen Mitarbeiterin Bettina Bergery, die zu einer Besucherattraktion wurde. Diese theatralischen Szenen zeigten oft zwei artikulierte, hölzerne Figuren, bekannt als Pascal und Pascaline.

    © Schiaparelli Archives
    1951

    Im selben Jahr kommt die erste Kollaboration mit Salvador Dalí zustande. Es entsteht eine Puderdose mit der Optik einer Telefonwählscheibe.

    Es sollten noch viele weitere gemeinsame Projekte folgen, wie beispielsweise 1937 das Hummerkleid, das Teil der kreativen Handschrift des Hauses werden sollte.

    Die amerikanische Gesellschaftsdame Wallis Simpson erlangte 1936 internationale Berühmtheit, als König Edward VIII. zugunsten der Heirat mit ihr auf den britischen Thron verzichtete. Als Schiaparelli-Kundin bestellte sie 1937 eine avantgardistische Hochzeitsausstattung, die eine Version des Hummerkleides enthielt. Sie wurde vom offiziellen königlichen Fotografen Cecil Beaton in dem Kleid fotografiert.

  • 1941 – Aufgrund des Zweiten Weltkrieges zieht die Designerin in die Vereinigten Staaten von Amerika. Von New York aus hält sie jedoch die Maison unter der Aufsicht ihrer rechten Hand offen. Jenseits des Atlantiks macht sie Werbung für den französischen Couture-Sektor.

  • 1942 – Sie organisiert die erste Ausstellung zu den ersten surrealistischen Schriften zusammen mit dem Autor André Breton und dem Künstler Marcel Duchamp. Ihr Pariser Salon ist in dieser Zeit von der deutschen Besatzung in Paris beschlagnahmt.

  • 1945 – Sie kehrt nach Paris zurück und stellt in nur wenigen Monaten eine Kollektion auf die Beine.

  • 1947Hubert de Givenchy wird als Kreativdirektor bei Schiaparelli angestellt und bleibt dort vier Jahre lang, bevor er sein eigenes Label gründet.

  • 1951Lizenzen für amerikanische Hersteller für Lingerie, Männermode, Brillen und andere Produkte werden vergeben.

  • 1954 – Elsa Schiaparelli entscheidet sich dafür, die Maison zu schließen. Nur die Parfümsparte läuft weiter. Im selben Jahr veröffentlicht sie ihre Autobiografie „Shocking Life“.

  • 1971 – Der Fotograf, Cecil Beaton, organisiert die Ausstellung „Fashion an Anthology“ im V&A mit der bislang größten Anzahl an Schiaparellis Arbeiten.

  • 1973 – Elsa Schiaparelli stirbt in Paris.

  • 2012 – Der Maison Schiaparelli wird wieder Leben eingehaucht, nachdem die Rechte und das Archiv aufgekauft wurden. Das Couture-Haus kehrt zu seinen Wurzeln zurück und öffnet seine Tore wieder im Hôtel de Fontpertuis, 21 Place Vendôme.

  • 2014 – Es findet die erste Fashion Show seit 1954 statt.

  • 2017 – Schiaparelli wird vom französischen Industrieministerium und der Fédération française de la Haute Couture das offizielle Haute-Couture-Label verliehen.

  • 2019 – Der Mann, der alles verändern wird, Daniel Roseberry, wird Artistic Director bei Schiaparelli.

  • 2023 – Die Maison präsentiert ihre erste Ready-to-wear-Kollektion.

  • 2026 – Das V&A Museum in London eröffnet im März die Schiaparelli: Fashion Becomes Art Ausstellung.

Die Ausstellung

Schiaparelli: Fashion Becomes Art ist vom 26. März bis 1. November 2026 im Victoria and Albert Museum in London zu sehen.

Die Ausstellung beleuchtet die frühen Arbeiten von Elsa Schiaparelli, die primär in den 1930er Jahren entstanden sind, sowie die Arbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg und die Entwicklung in den 1950er Jahren bis zur Schließung. Ein besonderes Highlight sind ebenfalls die Haute-Couture-Looks von Daniel Roseberry, der seit 2019 die künstlerische Leitung des Hauses übernommen hat.

Um alle Aufnahmen zu sehen, klicke gerne auf den folgenden Link und besuche mein Pinterest-Profil.

Schiaparelli

Bewertung: 4.5 von 5.

Designing the Modern Wardrobe

Pour le Sport

dt. Schiaparelli für den Sport

Elsa Schiaparelli entwarf zunächst Kleidung für Sport- und Freizeitaktivitäten. Gestrickte Pullover, einfache Oberteile und Röcke waren ihr Schwerpunkt. Diese frühen Kollektionen spiegelten neue Ideen über moderne Bewegung, Sport und Outdoor-Aktivitäten wider.

Bereits in den frühen 1930er Jahren wurde die Hose, die eigentlich von Frauen nur beim Sport oder zu Hause getragen wurde, zum Signature Look von Schiaparelli.

Pour la Ville

dt. Schiaparelli für die Stadt

Elsa Schiaparellis schicke und funktionale Alltagskleidung war 1938 in einem Interview mit der New York Times in aller Munde. Sie sagte, die Komponenten der modernen Alltagskleidung sollten einen Pelzmantel, einen maßgeschneiderten Anzug, einen Seidenmantel und ein Seidenkleid für den Abend umfassen.

Ihre stilvollen Tagesanzüge zeichneten sich durch Verzierungen mit Schiaparelli-Knöpfen und ungewöhnlich platzierten Taschen aus. Lebendige Drucke zeigten die Expertise der Designerin, was auch in der Presse vielfach gefeiert wurde.

Pour le Soir

dt. Schiaparelli für den Abend

Mutig, dramatisch, gelegentlich subversiv: Elsa Schiaparellis Abendkleider und Abendgarderobe wurden ebenfalls ein großer Erfolg. Ihre Kleider wurden bei Bällen, im Theater und in den renommiertesten Clubs der Weltstädte getragen.

Pour le Soir
Daniel Roseberry

The Schiaparelli Jacket

dt. die Schiaparelli Jacke

Schiaparelli verkörperte mit ihren schillernden, auffälligen Jacken die Couture-Qualität in einzigartigen Anzügen, die opulente Stoffe und ungewöhnliche Verzierungen kombinierten. Sie zeichneten sich gleichermaßen durch ausgeklügelte Knöpfe und überdimensionierte Taschen aus.

Saison für Saison beauftragte Schiaparelli Maison Lesage mit der Stickerei, um ihren Kollektionen Themen zu verleihen. Lesages Verwendung von flachen Metallstreifen, glänzenden Garnen, Perlen und spielerischen Motiven von Blumen, Sternschnuppen und Musikinstrumenten machte die Stücke sofort als Schiaparelli-Designs erkennbar.

Finishing Touches

dt. der letzte Schliff

Elsa Schiaparellis Mode-Accessoires waren durchweg unkonventionell. Ob mit gespitztem oder glänzendem Haar für Hüte mit Strasssteinen, gepolsterten Pelzhandschuhen oder geformten Händen und Krallen für Abendhandschuhe: Die Künstlerin betrachtete diese „Feinschliff“-Accessoires sowohl als Ergänzungen als auch als Quelle der Inspiration.

Heute führt Daniel Roseberry diese Kunstform fort, indem er eine Reihe von Taschen, Gürteln, Hüten, Schmuckstücken und Stiefeln entwirft, die ein modernes Gesamtbild ergeben.

Creative Constellations

dt. kreative Konstellationen

„Die Präsentation von Mode war ein Kunstwerk.“

Elsa Schiaparelli

Kunst faszinierte Elsa Schiaparelli und prägte ihren sozialen Kreis sowie ihre Designphilosophie. Sie arbeitete im Zentrum einer Konstellation von Malern, Bildhauern, Fotografen, Schriftstellern und Kunsthandwerkern. Im Paris der späten 1920er und 1930er Jahre fand sie eine Affinität zu den Surrealisten, die das Absurde, Erotische und Subversive umarmten.

Sowohl auf ihre Einladung als auch aus eigener Initiative schufen Künstler Entwürfe für Schiaparelli-Kleidungsstücke, Accessoires, Parfümflaschen und Schmuck.

Schiaparelli beauftragte auch Künstler mit der Gestaltung ihrer Werbung und Boutiquen. Ihr Geschmack war eklektisch, was sich in zahlreichen Porträts von ihr in verschiedenen Stilen widerspiegelt, die von ihren Künstlerfreunden angefertigt wurden.

Schiaparellis Kollaborationen stärkten ihren Ruf. Während die rivalisierende Designerin Gabrielle „Coco“ Chanel Schiaparelli als „diese italienische Künstlerin, die Kleider macht“ abtat, führte ihre Zusammenarbeit mit anderen Kreativen zu einigen ihrer denkwürdigsten Designs.

Das Erbe Schiaparellis ist einzigartig und inspirierend in einer Art und Weise, die es so kein zweites Mal gibt. Wenn ein Modehaus nach 50 Jahren Inaktivität wiederbelebt wird und regelmäßig für virale Momente sorgt, zeugt dies vom kreativen Vermögen, das Elsa Schiaparelli begründete und Daniel Roseberry weiterführt.