Charles Frederick Worth x Petit Palais

Eine Ausstellung, die dem Modehaus House of Worth gewidmet ist. Gegründet 1858 von Charles Frederick Worth, dem Wegbereiter der Haute Couture, konnte man hier der Geschichte der Haute Couture durch die Jahrzehnte folgen.

Haute Couture, wörtlich übersetzt „Hohe Schneiderkunst“, steht für die maßgeschneiderte Anfertigung von einzigartigen Kollektionen aus feinsten Materialien – die Superlative der Exklusivität, Kreativität und meisterhaftem Handwerk. Doch Haute Couture ist mehr als nur ein Begriff: Es ist ein gesetzlich geschützter Titel, der seit 1945 nur von Modehäusern geführt werden darf, die strenge Auflagen der Fédération de la Haute Couture et de la Mode (FHCM) erfüllen.

Charles Frederick Worth, 1892
  • 1825 – Charles Frederick Worth wird am 13. November in Lincolnshire, England, geboren. Schon früh entwickelt er ein Talent für Stoffe und Schnitttechnik, das er zunächst in London in verschiedenen Tuchgeschäften ausbaut.

  • 1845 – Worth zieht nach Paris, dem Zentrum für Mode und Luxus, um seine Karriere als Schneider zu beginnen.

  • 1851 – Bei der ersten Weltausstellung in London, der berühmten Great Exhibition, wird Worth für seine Entwürfe mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Vier Jahre später, auf der Pariser Weltausstellung 1855, präsentiert er einen schulterfreien Mantel (Manteau de cour), der ihm den ersten Preis einbringt.

  • 1858 – Er gründet gemeinsam mit Otto Bobergh die MaisonWorth et Bobergh in der Rue de la Paix in Paris, ein Modehaus, das Maßkleidung und eigene Kollektionen kombiniert. Worth ist der erste Couturier, der Modeschauen mit lebenden Models veranstaltet, um seine Entwürfe zu präsentieren.

  • Er entwirft Kleidung für die wohlhabendsten Frauen Europas, darunter Kaiserin Eugénie von Frankreich und Kaiserin Elisabeth von Österreich, und macht Mode zu einer Form von Kunst und Inszenierung.

  • 1895 – Charles Frederick Worth stirbt am 10. März in Paris, doch sein Modehaus bleibt noch bis 1956 bestehen.

Die Ausstellung

Vom 7. Mai bis zum 7. September 2025 zeigt das Petit Palais, Musée des Beaux-Arts de la Ville de Paris, die Ausstellung WORTH – Inventing Haute Couture. Auf 1.100 Quadratmetern werden über 400 Werke aus Mode, Accessoires, Kunstobjekten, Malerei und Grafik präsentiert, darunter Leihgaben vom Philadelphia Museum of Art, Metropolitan Museum of Art, Victoria and Albert Museum, Palazzo Pitti sowie aus privaten Sammlungen. Um alle Aufnahmen zu sehen, klicke gerne auf den folgenden Link und besuche mein Pinterest-Profil.

Blick auf den Eingangsbereich der Ausstellung im Petit Palais.

Die Gesamtkuration der Ausstellung übernehmen Annick Lemoine vom Petit Palais und Miren Arzalluz vom Palais Galliera. Für die wissenschaftliche Kuration sind Sophie Grossiord, Marine Kisiel und Raphaële Martin-Pigalle verantwortlich, die sowohl mit dem Petit Palais als auch mit dem Palais Galliera verbunden sind.

Ich habe die Ausstellung am 6. September besucht und mich etwa 90 Minuten im Petit Palais aufgehalten. Im Folgenden zeige ich Bilder, die die einzelnen Epochen chronologisch widerspiegeln.

Selbstverständlich können diese Bilder und meine persönlichen Eindrücke einen Besuch im Museum nicht ersetzen.


Bewertung: 4 von 5.

WORTH & BOBERGH

1858 gründete er in der Rue de la Paix das Haus Worth & Bobergh, in unmittelbarer Nähe zum kaiserlichen Hof. Fürstin von Metternich und schließlich auch die Kaiserin machten seine Kreationen berühmt. Anfangs wurden die meisten Kleider in schlichten, einfarbigen Tönen entworfen, bevor Worth mit neu gestalteter Krinoline, kostbaren Lyoner Seiden und prachtvollen Roben, verziert mit Spitze, Stickereien und Borten, die Mode revolutionierte. So prägte er den Stil des Zweiten Kaiserreichs und festigte seinen Platz als führende Figur der Pariser Couture.

FROM WORTH & BOBERGH TO WORTH

Nach dem Ende seiner Partnerschaft mit Otto Bobergh im Jahr 1870 erlebte Charles Frederick Worth dank des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Weltausstellung 1878 einen neuen Höhepunkt. Trotz hoher Preise strömten Bestellungen aus aller Welt, und das Label Worth wurde zum Symbol für Luxus und modische Autorität. Unterstützt von seinen Söhnen prägte er den prunkvollen „Upholstery“-Stil mit aufwendig verzierten Kleidern aus Seide, Samt, Damast und Brokat. Die Krinoline wich der Tournüre, die mit Schleifen, Stofflagen und langen Schleppe die Silhouette neu definierte.

24 HOURS IN THE LIFE OF A WOMAN

Mit der Dritten Republik nach 1870 begann für das Haus Worth eine Zeit des Wohlstands und internationalen Erfolgs. Aristokratie, Bürgertum, Schauspielerinnen und wohlhabende Kundschaft aus aller Welt suchten die immer neuen Kreationen in der Rue de la Paix. Nach Charles Frederick Worths Tod 1895 führte sein Sohn Jean-Philippe die Tradition weiter: lange Schleppe, fließendere Silhouetten und prächtig verzierte Abendroben blieben Markenzeichen. Ergänzt wurden sie durch Teekleider in Prinzess-Linie sowie elegante Tages- und Sportkleider, Anzüge und Mäntel. Aufwendig dekorierte Abendmäntel und Capes sorgten für dramatische Effekte im künstlichen Licht.

HISTORICISM AND FANCY DRESS

Der historisierende Stil des späten 19. Jahrhunderts prägte Worths Kollektionen: Renaissance- und Rokoko-Elemente, Rüschen, Schleifen und Watteau-Falten zierten Teekleider, Abendroben und Opernmantel. Für prunkvolle Kostümbälle schöpfte er seine Kreativität voll aus, inspiriert von historischen Gemälden.

EXCEPTIONAL CLIENTS AND MOMENTS

Worths Kreationen waren bei Königen, Kaiserinnen und der Aristokratie begehrt. Hochzeitskleider, Hofroben, Umhänge und Festkleider gehörten zu seinen Spezialitäten. Für Krönungen wie die von Kaiserin Elisabeth von Österreich 1867 oder den russischen Zaren 1883 und 1896 entwarf das Haus prächtige Ensembles, die zuvor in der Rue de la Paix ausgestellt wurden. Auch die Höfe Spaniens, Portugals und Großbritanniens zählten zu seinen Kunden. International bekannte Persönlichkeiten wie Franca Florio, Mary Victoria Leiter und die Gräfin Greffulhe trugen Worths Mode und spiegeln seinen Einfluss auf die weltweite Couture wider.

RUE DE LA PAIX – THE WORTH ATELIERS

Worths legendäres Salonsystem in der Rue de la Paix war das öffentliche Gesicht des Hauses, während die oberen Etagen die private Werkstatt beherbergten. Über acht Stockwerke arbeiteten Designer, Modelle, Schneider und Näherinnen Hand in Hand, um jährlich etwa 10.000 Kleidungsstücke herzustellen. In den Ateliers wurden Stoffe zugeschnitten, genäht und mit Passementerie, Bändern und Perlen verziert, sodass jedes Kleid nahezu einzigartig war. Die oberen Etagen enthielten Kantinen, Büros und Vorräte, im Dachboden wurde jede Kreation fotografiert, um das Design zu dokumentieren und vor Nachahmungen zu schützen.

HONORABLE MENTIONS

Paul Poiret bei Worth
Gaston Worth engagierte den jungen Paul Poiret, um das Haus an die neuen Zeiten anzupassen. Zwischen 1901 und 1903 sammelte Poiret wertvolle Erfahrungen, die ihn später zu eigenem Erfolg führten. Besonders bemerkenswert ist die fließende, einfache Linie eines Kimono-Mantels, der die Silhouette auflockerte und neue, moderne Ideen in die Couture einbrachte.

Louis Vuitton (1821–1892)
Louis Vuitton, ursprünglich Koffer- und Truhenmacher, eröffnete 1854 sein eigenes Haus in Paris. Um Worths Kreationen nach Übersee zu verschicken, entwickelte er den berühmten Wardrobe Trunk mit Hängesystem und Schubladen. Die enge Zusammenarbeit beider Häuser zeigt sich noch heute: Einige Vuitton-Koffer tragen Labels von House of Worth.

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© Louis Vuitton
Wardrobe Trunk
A NEW GOLDEN AGE. THE HOUSE OF WORTH AT THE DAWN OF THE 20TH CENTURY

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte das Modehaus Worth großen Erfolg. Gaston Worth zog Aristokratie, Kunstwelt und Theaterstars an und setzte auf elegante, gerade Silhouetten im Stil des Ersten Kaiserreichs. Während des Ersten Weltkriegs engagierte sich das Haus wohltätig und wandelte sich zeitweise sogar in ein Krankenhaus.

THE 1920S

Worth, eines der ältesten Modehäuser, verband Tradition und Moderne. Unter Gaston Worths Söhnen Jean-Charles und Jacques entstanden Kollektionen voller Mäntel, Capes und Abendkleider, oft in „Worth-Blau“, mit opulenter Stickerei, trompe-l’œil-Details und Art-Déco-Motiven, die die Modelle zu Kunstobjekten machten. Jean-Charles arbeitete eng mit Künstlern wie Jean Dunand und Raoul Dufy zusammen und ergänzte 1929 viele Entwürfe mit seinem Monogramm.

Mir hat besonders die Vielfalt der ausgestellten Kleider gefallen, ebenso wie der beeindruckende Rahmen des Petit Palais. Leider war das Museum sehr voll, die Ausstellung wirkte wenig kuratiert und mit Atmosphäre, Licht oder Stimmung wurde kaum gearbeitet. Auch die kleinen Bildschirme für Filmclips konnten die Präsentation nur begrenzt unterstützen.

Dennoch war die Ausstellung inspirierend und zeigt modehistorisch sehr umfassend die Arbeit von Worth.

© Worth
Abendkleid aus dem Jahr 1936