Anna Wintour – an diesen Namen denken wohl die meisten. Nicht zuletzt, weil ihr Einfluss im Spielfilm „Der Teufel trägt Prada“ überspitzt humorvoll dargestellt wird. Sicherlich ist an dieser Darstellung auch etwas Wahres dran. Dieser Artikel möchte jedoch den Frauen Sichtbarkeit verschaffen, die ebenfalls die Geschicke der Modebranche maßgeblich beeinflussen.
Um hier eine Balance zwischen der internationalen und nationalen Modebranche zu schaffen, werden vorerst drei einflussreiche Frauen im internationalen und anschließend drei Frauen im nationalen Kontext vorgestellt. Die Reihenfolge unterliegt keiner bestimmten Ordnung und erfolgte willkürlich.
Es gäbe sicherlich noch viele weitere Frauen, die es verdient hätten hier erwähnt zu werden, jedoch muss aufgrund des begrenzten Platzes eine Auswahl getroffen werden und anbei findet ihr meine persönliche Auswahl der einflussreichsten Frauen der zeitgenössischen Modebranche.
Die einflussreichsten Frauen der internationalen Modebranche
- Maria Grazia Chiuri
Die Italienerin hat Modedesign in Rom studiert und ist seit 2016 die Chefdesignerin von Dior. Zuvor war sie im Accessoires-Bereich bei Valentino, wofür sie bereits 2015 mit dem CFDA Award (Council of Fashion Designers of America) ausgezeichnet wurde.
Seit ihrer Ankunft in Paris sorgte sie mit neuem feministischen Wind für Aufsehen. Für ihre Debütkollektion im Frühjahr/Sommer 2017 bei Dior machte Chiuri bereits Schlagzeilen mit dem Schriftzug „We Should All Be Feminists“ (dt. „Wir sollten alle Feministen sein“). Oder auch „What If Women ruled the World?“ (dt. „Was wäre, wenn Frauen die Welt regierten?“) war das Thema der Frühling/Sommer Haute Couture 2020 Show von Dior.
Im selben Jahr trat die Schauspielerin Natalie Portman mit einem Cape bei den Oscars auf, das mit all den Namen der Regisseurinnen bestickt war, die bei den Oscar-Nominierungen seit Jahren nicht berücksichtigt wurden und werden. Und auch dieser Look wurde in Kooperation mit Dior gefertigt.
Jedoch hagelt es auch oft Kritik für die Arbeit der Designerin. Die Mode von Maria Grazia Chiuri sei zu klassisch und zu repetitiv. Die Dauer ihrer Tätigkeit scheint der Designerin jedoch recht zu geben, denn sollten sich ihre Kollektionen nicht verkaufen, hätte sich LVMH, der Konzern zu dem Dior gehört, wohl schon längst von ihr getrennt. Seitens LVMH werden keine Zahlen für die einzelnen Marken veröffentlicht, daher waren hier nur Mutmaßungen und Schlussfolgerungen möglich.
Maria Grazia Chiuri hat ihren Rücktritt als Kreativdirektorin bei Dior am 29. Mai 2025 bekannt gegeben, nachdem sie neun Jahre für das Modehaus tätig war. Ihre letzte Show für Dior war die Dior Resort 2026 Kollektion, die in Rom stattfand. Im Oktober desselben Jahres wurde bekannt, dass die Designerin die kreative Leitung des italienischen Hauses Fendi übernehmen wird.



- Phoebe Philo
Phoebe Philo, die an der Central Saint Martin University studierte, schaffte es 1997 bereits nach Paris und arbeitete dort zuerst für Chloé und bekam 2001 die Rolle der Kreativdirektorin angeboten. 2006 verließ sie Paris und zog zurück nach London, wo 2008 ein Atelier für Phoebe Philo eingerichtet wurde, damit sie die kreative Leitung für das französische Modehaus Céline übernehmen konnte. Bis 2017 konnte sie sich eine große Fangemeinde aufbauen und verließ schließlich die Brand. 2022 wurde dann der Launch ihrer eigenen Marke bekannt gegeben und 2023 war es dann so weit.
Viel Tailoring, luxuriöse Materialien, vor allem Leder und sehr schlichte Taschen sorgen für die passende Balance zwischen Quiet Luxury und einer modernen Roughness. Nur einen Tag nach der Lancierung waren ein Großteil der Handtaschen, der Blusen, Tops, Sakkos und Hosen bereits ausverkauft. Es folgen meine drei Lieblingspieces der ersten Kollektion von Phoebe Philo.



- Miuccia Prada
Eigentlich hatte Miuccia Prada andere Pläne im Leben, denn sie studierte Politikwissenschaft an der Universität Mailand. Während der 1970er Jahre war sie Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens und in der Frauenrechtsbewegung in Mailand engagiert.
Im Alter von 28 Jahren übernahm sie das Familienunternehmen zur Herstellung von Luxuslederwaren in Mailand. Das Unternehmen wurde 1913 von ihrem Großvater gegründet und dann von ihrer Mutter weitergeführt worden. Miuccia nahm in den 1980er Jahren den Nachnamen ihres Großvaters (bzw. den Geburtsnamen ihrer Mutter) an und trug fortan den Nachnamen Prada.
Miuccia Prada ist Chef-Designerin und Vorsitzende der Prada S.p.A. Seit April 2020 ist der belgische Designer Raf Simons Co-Kreativdirektor in einer Doppelspitze mit Miuccia Prada. Dem Unternehmen gehört unter anderem die Marke Miu Miu. In Ergänzung zur ursprünglichen, hochpreisigen Prada-Linie führte die Firma 1993 die Damen-Kollektion Miu Miu ein, eine etwas preiswertere Zweitlinie für ein jüngeres Publikum. Die Miu-Miu-Linie, deren Namensgebung auf den Spitznamen von Miuccia Prada zurückgeht, betont Erdfarben und einen schlichteren, moderneren Look.
Die einflussreichsten Frauen der nationalen Modebranche
- Kerstin Weng
Kerstin Weng studierte Modejournalismus an der Akademie Mode & Design in München. Nach mehreren Stationen im journalistischen Bereich schaffte sie es mit nur 30 Jahren zur Chefredakteurin der deutschen Ausgabe der Cosmopolitan berufen zu werden. Dadurch war Kerstin Weng auch immer wieder bei Germany’s Next Topmodel zu sehen, da die Gewinnerinnen bis 2017 auf dem Cover der Cosmopolitan erschienen.
Im Januar 2015 wechselte sie zu dem Online-Modeportal Stylight, wo Weng ebenfalls die Rolle der Chefredakteurin annahm. Nach bereits einem knappen Jahr wurde sie 2016 zur Chefredakteurin der Modezeitschrift InStyle ernannt.
Am 22. Oktober 2021 wurde bekannt gegeben, dass sie die Leitung der deutschen VOGUE übernehmen wird. Seit ihrer Übernahme war das Medienecho groß – Viele nehmen die VOGUE in Deutschland als jünger, moderner, politischer und etwas greifbarer wahr.
Es folgen meine drei Lieblingscover der VOGUE, die unter der Leitung Kerstin Wengs entstanden sind.



- Brenda Hashtag
Brenda Weischer, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, ist eine Influencerin, Unternehmerin und Modekritikerin. 2017 schloss sie ihr Studium an der Central Saint Martins University in London mit einem Master in Modejournalismus ab. Ein Jahr danach gründete sie den Designer-Second-Hand-Shop disruptive berlin, der einmal im Monat öffnet, um das Shoppen wieder zu etwas Besonderem zu machen.
Der Schlüssel des Erfolges ist wohl die Authentizität. Mittlerweile mag dies etwas abgedroschen klingen, jedoch zeigte Brenda besonders Kante, als sie die Corona-Feier nach der Bottega-Veneta Show im Soho House Berlin dokumentierte und seitdem weltweites Hausverbot genießt. Sie steht für ehrliche Modekritik, Vintage Mode und für aufstrebende Jungdesigner*innen.
Natürlich kann man hier die schwarz-weiß Ästhetik nicht unerwähnt lassen. Thom Browne, Helmut Lang, und Maison Margiela sind wohl die Marken, die man mit der Influencerin am ehesten in Verbindung bringt. So war sie auch bei der Frühling/Sommer 2024 Haute Couture Show bei Maison Margiela zu sehen und postete dies auch auf Instagram.



Dieser neue und moderne Ansatz des Modejournalismus, der eine neue Unabhängigkeit mit sich bringt, verschaffte Brenda Weischer einen Platz in dieser Auflistung.
- Christiane Arp
Die ehemalige Chefredakteurin der deutschen VOGUE hat besonders durch ihr Engagement für aufstrebende Designer*innen einen Platz in dieser Liste verdient. Bereits zu ihrer Zeit als Chefredakteurin initiierte sie den Berliner Salon. Deutsche Nachwuchsdesigner*innen können hier im Rahmen der Berlin Fashion Week ihre Kollektion vorstellen.
Heute hat Arp den Vorstand des Fashion Council Germany inne. 2015 gegründet, ist der Verein noch sehr jung und versteht seine Mission wie folgt:
Mit jeglichen Initiativen verfolgt der FCG das Ziel, deutsches Modedesign als Kultur- und Wirtschaftsgut auf nationaler und internationaler Ebene weiter zu etablieren, zu unterstützen und zu stärken. Besonderer Fokus liegt auf der Förderung von Design-Nachwuchstalenten.
http://www.fashion-council-germany.org
In Zusammenarbeit mit der deutschen VOGUE bzw. dem Condé Nast Verlag wurde der Fashion Fund nun auch nach Deutschland gebracht. Das Ziel ist es, aufstrebende Talente zu fördern und ihnen internationale Sichtbarkeit zu verschaffen. Gesucht werden junge Talente, die einen nachhaltigen und innovativen Ansatz verfolgen. Der Gewinner erhält ein Preisgeld und ein exklusives Mentoring-Programm im Gesamtwert von 100.000 Euro. Bewertet werden die Kriterien Nachhaltigkeit, Vielfalt, Innovation, Kreativität und Marktfähigkeit.


Diese Frauen beeinflussen maßgeblich die Modebranche und nutzen ihren Einfluss, um das Vorankommen der Branche auf eine verantwortungsvolle Art und Weise zu entwickeln.
Vielen Dank für euer Engagement!
